
Spendenkonto:
Verband der Schweizer Studierendenschaften, VSS
Stipendieninitiative
Initiative des bourses d'etud.
Bern
30-520177-3
IBAN: CH7809000000305201773
Die Schweiz braucht ein Stipendiensystem, das allen BürgerInnen prinzipiell eine Ausbildung ermöglicht. Kantonale Ausbildungsbeihilfen werden schweizweit nach uneinheitlichen Vergabekriterien und mit unterschiedlichen Beitragsgrössen vergeben. Damit hängt der Erhalt von Unterstützungsbeiträgen in erster Linie vom Wohnkanton ab und nicht von der tatsächlichen finanziellen Situation.
Ziel der Initiative ist eine Harmonisierung des Stipendienwesens. Sie ist ein konsensorientierter Vorschlag, der den Grundsatz der Harmonisierung als Bundeskompetenz zu verankern beabsichtigt.
Mit der Initiative möchte der VSS erreichen, dass Schweizer Studierende Ausbildungsbeiträge erhalten können, die ihnen einen minimalen Lebensstandard garantieren. Dabei geht es um ein gerechtes Bildungssystem, das den Zugang zu Bildung nicht mehr von den finanziellen Möglichkeiten von Einzelpersonen und Familien abhängig macht.
Erhebungen des Bundes zeigen klar, dass Studierende mit Lebenshaltungs- und Ausbildungskosten von 24‘000 Franken pro Jahr rechnen müssen. Davon kann ein Teil über Finanzbeiträge der Herkunftsfamilie, ein weiterer Teil über studienbegleitende Erwerbsarbeit gedeckt werden. Die finanzielle Unterstützung durch Ausbildungsbeihilfen ist ein unverzichtbarer Bestandteil zur Deckung der anfallenden Kosten.
Videos zur Einreichung
Eindrücke von der Bundesterrasse und aus dem Bundesmedienzentrum.
In der Schweiz sind 250‘000 Studierende auf den tertiären Bildungsstufen A und B (höhere Berufsbildung, Fachhochschulen, pädagogische und universitäre Hochschulen) immatrikuliert. Von ihnen beziehen 8% (20‘500 Studierende) Stipendien im Umfang von gesamthaft 278 Millionen Franken jährlich. Diese Ausgaben werden durch den Bund mit 25 Millionen Franken im Jahr subventioniert. Das Stipendienvolumen hat seit 1993 inflationsbereinigt um 25% abgenommen und die Bundessubventionen sind zwischen 1990 und 2008 von 40% auf 9% gesunken.
Die Stipendien zwischen den Kantonen variieren stark. Im Kanton Zürich beziehen 0.3% der Bevölkerung durchschnittlich 3‘800 Franken pro Semester, während im Kanton Neuenburg an 1% der Bevölkerung durchschnittlich 1‘200 Franken pro Semester vergeben werden. Der Pro-Kopf-Wert im Kanton Jura beträgt 87 Franken, im Kanton Schaffhausen hingegen nur 17 Franken.
Rund 77% aller Studierenden kommen neben dem Studium einer Erwerbsarbeit nach, dies insbesondere um sich Studium und Leben zu finanzieren.
Die Schweiz muss rund eine halbe Milliarde zusätzlich in Ausbildungsbeihilfen investieren. Dies entspricht einer Förderquote von 20% aller Studierenden zur Hälfte ihrer jährlichen Lebenshaltungskosten.
Der VSS geht davon aus, dass die Studierenden mithilfe von Beiträgen der Familie und durch Erwerbstätigkeit mindestens die Hälfte der Lebens- und Ausbildungskosten selbst tragen können. Die restlichen rund 1000 Franken im Monat sollen, als Stipendium, jenen mit sozioökonomisch schwächerer Herkunft den Zugang zu nachobligatorischer Bildung ermöglichen. Die Kosten, welche ein ausgebautes Stipendiensystem verursacht, lohnen sich mittel- und langfristig, sowohl wirtschaftlich, als auch entwicklungstechnisch. Einerseits sind Bildungsinvestitionen wirtschaftlich sinnvoll. Andererseits ist erwiesen, dass höhere Bildungsinvestitionen auch das zukünftige Bruttoinlandsprodukt einer Nation erhöhen.
Bildung ist ein öffentlicher Auftrag. Alle Personen mit entsprechender Neigung und Fähigkeit sollen Zugang zu Hochschulbildung haben. Das Bundesblatt von 1964 hält fest, dass es einem Gebot der Gerechtigkeit entspricht, ohne Rücksicht auf die finanzielle Lage, eine den Talenten entsprechende Ausbildung zu ermöglichen. Auch die allgemeine Erklärung der Menschenrechte hält in Artikel 26 ein Recht auf Bildung fest, welches den Zugang zur Hochschulbildung inklusive Studienabschluss, unabhängig von der sozioökonomischen Situation einer Person, garantiert.
Der erfolgreiche Abschluss eines Studiums ist davon abhängig, dass die studierende Person sich in erster Linie der Ausbildung widmen kann. Der zeitliche Umfang eines Studiums entspricht mit ca. 40 Wochenstunden einer Vollzeitstelle. Längst können es sich über 75% der Studierenden nicht leisten, sich einzig dem Studienerfolg zu widmen und gehen neben der Ausbildung einer Erwerbstätigkeit nach. Studien belegen des Weiteren, dass ein wesentlicher Faktor des Studienerfolges die sozioökonomische Herkunft einer studierenden Person ist.2 Nur durch ein ausgebautes Stipendienwesen können diese gesellschaftlichen Unterschiede abgebaut und damit durchgehend erfolgreiche Studienabschlüsse ermöglicht werden.
Stipendien richten sich ausschliesslich an Studierende, welche sich die nachobligatorische Bildung ansonsten nicht leisten können. Die individuellen sozioökonomischen Ausgangsbedingungen sind aber nach wie vor ausschlaggebend dafür, ob jemand studiert oder nicht. Sowohl das Bildungsniveau der Eltern, als auch das Vermögen bzw. Einkommen der Familie sind bestimmende Faktoren.
Zudem ist ein Zugang zu Stipendien stark davon abhängig, in welchem Kanton jemand den stipendienrechtlichen Wohnsitz (familiärer Wohnsitz oder Wohndauer in einem Kanton) hat. Dies führt dazu, dass einigen Studierenden der Zugang zur Hochschulbildung verweigert wird, weil sie im „falschen“ Kanton wohnen.
Bereits 1964 hat sich der Bund klar zur Förderung der Stipendien geäussert. Sie seien wichtig für eine konsequente Nachwuchsförderung und für den Erhalt des hohen Lebensstandards in der Schweiz.
Stipendien tragen dazu bei, dass eine gute Ausbildung einer grösseren Anzahl Personen zur Verfügung steht. Dies wiederum trägt dazu bei, dass der wirtschaftliche Standort Schweiz langfristig gesichert werden kann. Bildung fördert also Wohlfahrt und Wettbewerbsfähigkeit. Je kürzer die Studiendauer, desto schneller kommen Studierende als produktive Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt und tragen zum Wertschöpfungsprozess bei. Die Länge eines Studiums ist zudem ein massgeblicher Faktor für die Kosten eines Studiums.